Iron Butt - Saddle Sore 16/24 - 2014

Track auf Google Maps: 

Reisebericht / Logbuch  

- Die Idee -

1.600 Kilometer innerhalb von 24 Stunden!
Etwas verrückt… aber wahrscheinlich ist genau das der Grund, warum ich diese Tour angehe.

Schon sehr lange, rund 10 Jahre, spiele ich mit dem Gedanken einmal einen Saddle Sore der Iron Butt Association zu fahren.

Iron Butt, Saddle Sore, was ist das denn? Werdet ihr euch fragen. Im Grunde sind diese Begriffe auf die amerikanische Vereinigung der Iron Butt Association zurück zu führen und diese Begriffe könnte man folgendermassen wörtlich ins Deutsche übersetzen, Eisen-Arsch und Sattel-Wunde…

Im Wesentlichen handelt es sich bei dem Thema um Langstrecken-Fahrten für Motorradfahrer die eine bestimmte Strecke in einer bestimmten Zeit zurücklegen. Die Iron Butt Association oder deren deutscher Ableger Iron Butt Association Germany sprechen hier von unterschiedlichen Varianten dieser Langstreckenfahrten (long distance rides).

Als erste offizielle Langstreckenfahrt habe ich mich für einen Saddle Sore 1000 entschieden, dessen Regeln ich hier mal kurz und knapp zusammenfassen möchte.

Zu fahren ist eine Strecke von 1000 Meilen (1.609,3 km) innerhalb 24 Stunden. Diese Fahrt ist ausführlich zu dokumentieren, und nach erfolgreicher Durchführung kann man die komplette Dokumentation bei der Iron Butt Association einreichen und sich dort registrieren lassen. Die Deutsche, angepasste Version nennt sich dann Saddle Sore 1600K und wird im Detail hier beschrieben.

 

– Planung / Vorbereitung –

Di., 17.06.2014
Ich nehme Kontakt zur IBA USA auf um ein paar detailiertere Informationen einzuholen.

Mi., 18.06.2014
Von der IBA USA werde ich freundlicherweise auf die IBA Germany verwiesen und sofort kontaktiere ich auch dort die Verantwortlichen und erhalte umgehend Rückmeldung.

Do., 10.07.2014
Die grobe Route, die ich fahren möchte ist geplant und auf der Googel Map übersicht dargestellt. Der anvisierte Durchführungstermin soll das Wochenende 2.-3. August ’14 sein. Sollte irgend etwas dazwischen kommen oder das Wetter so garnicht passen, ich würde nur ungern bei vorhergesagtem Dauerregen losfahren, dann habe ich als Ausweichtermin das Wochenende am 16.-17. August ’14 ausgedeutet.

Di., 15.07.2014
Die detailierte Routenvorbereitung hat mich auf eine Idee gebracht. Mit einer kleinen Änderung der Streckenführung und nur unwesentlich mehr Kilometern, wird jetzt aus dem Standard Saddle Sore 1600 die Abwandlung zu einem 16/24. Dies bedeutet, daß ebenfalls min. 1.600 km zurückgelegt werden müssen, aber man fährt innerhalb der 24 Stunden alle 16 deutschen Bundesländer an und dokumentiert dies. Die Routenführung auf meiner Google Map Übersicht ist entsprechend geändert und die geplanten Zwischenstops eingetragen.

 

– Reisetagebuch –

Sa., 02.08.2014 Der Start
Die Vorbereitungen sind allesamt erledigt. Die Wettervorhersage ist einigermassen günstig und mit einem Tankbeleg, gedruckt um 14:47 Uhr, starte ich bei angenehmen und sonnigen 27°C meine Reise.

 

Nach nur 36 km der erste Tankstop in

– Viernheim (Hessen) und weiter 151 km bis nach

– Tholey-Hasborn (Saarland). Hier mal eben 6 Liter Sprit gefasst die für die nächsten 82 km bis nach

– Niederöfflingen (Rheinland-Pfalz) Eifel Ost, genügen sollen. Mit rund 278 km liegt jetzt die längste Etappe dieser Tour vor mir und endet bei

– Münster (Nordrhein-Westfalen). Auf diesem Teilstück verbrenne ich rund 19 Liter Sprit. Ca. 35 km nach dem Tankstop staut sich der Verkehr auf der Autobahn. Ich kann jedoch bis zum Stauanfang an den stehenden PKWs vorbeifahren. Unfall, zum Glück ohne Personenschaden, aber mit einer riessigen Ölspur verteilt über alle Fahrbahnen.

 

Vollsperrung und erst nach gut einer Stunde sind die Aufräumarbeiten abgeschlossen und wir werden auf dem Standstreifen an der Unfallstelle vorbeigeleitet. Mittlerweile ist es dunkel geworden und hat begonnen zu regnen.

– Holdorf (Niedersachsen) erreiche ich rund 81 km nach dem letzten Tankstop und der Regen wird heftiger. bis

– Bremen (Bremen) habe ich auf gut 87 km heftigsten Niederschlag, so dass sogar die PKWs teilweise auf dem Standstreifen stehen bleiben. Hier auf Besserung zu warten ist laut Wetter-Radar aussichtslos und ich fahre nochmal 109 km weiter bis

– Hamburg-Moorfleet (Hamburg) um dort 5 Liter Super in meinen Tank zu füllen. Der nächste Stop ist geplant in Witzhave. Doch diese Tankstelle hat weder Nachtbetrieb noch einen Tankautomaten. Ich versuche fast eine ganze Stunde eine offene Tankstelle zu finden oder mir wenigstens irgendwo an einem Bankautomaten oder Bahnhof einen Beleg als Beweis für meinen Aufenthalt in Schleswig-Holstein zu beschaffen. Leider sind alle Versuche gescheitert. Um diese Uhrzeit, es ist mittlerweile Sonntag der 03.08.14 um 01:58 Uhr sind hier in den Dörfern leider auch keine Personen, die mir als Zeuge dienen könnten auf den Strassen unterwegs. Ich beschliesse zurück auf die Autobahn A24 Hamburg-Berlin zu fahren und finde dort, direkt an der Grenze zu Meck-Pom noch einen Rastplatz an dem ich eine Cola und ein Snickers kaufen kann und damit auch ein Beleg in

– Gudow (Schleswig-Holstein) erhalte. Tanken kann ich hier nicht. Aber ich hatte den nächsten Tankstop sowieso für nur 3 km weiter in

– Valluhn (Mecklenburg-Vorpommern) eingeplant und fasse hier 11 Liter die für die 144 km bis

– Walsleben (Brandenburg) reichen sollten. Die Nacht ist mit 22°C recht mild und macht das Fahren angenehm. Von den umliegenden Gewittern, die Rechts und Links von mir toben lasse ich mich nur wenig beeindrucken und bin froh, dass mich auf diesem Teilstück mit 87 km nicht wieder das Nass von Oben erwischt.

– Berlin an der AVUS (Berlin) um 05:05 Uhr und es wird langsam wieder hell. Mit 9 getankten Liter Super E10 hat der nächste Abschnitt eine Länge von 126 km und ich kann in

– Köckern (Sachsen-Anhalt) weitere 5 Liter in meinen Tank füllen. Hier mache ich endlich auch mal eine etwas längere Pause von rund 30 Min und gönne mir von meinem Reiseproviant ein Schnitzelbrötchen und von der Raststätte einen frischen und heissen Kaffee. Nur 24 km habe ich jetzt bis

– Schkeuditz (Sachsen) – Flughafen Leipzig. Hier fasse ich 5 Liter Brennstoff die die 68 km bis

– Hermsdorf (Thüringen) reichen müssen. Von hier aus beginnt die zweitlängste Etappe mit rund 234 km geht es auf der A9 weiter Richtung Süden. 14 Liter Treibstoff sollten bis nach

– Hauser bei Würzburg (Bayern) ausreichend sein. Die Schlussetappe bringt mich mit 177 km am Sonntag, 03.08.2014 um 11:14 Uhr zurück an meinen Ausgangspunkt in Baden-Württemberg, von wo aus ich am Vortag gestartet war.

 

- Fazit -


16 Deutsche Bundesländer, 1.879 gefahrene km, 20 Std. + 23 Min. Reisezeit, 121 Liter verbrannter Sprit und ich bin wieder Zuhause angekommen.

Hier noch mein Tour-Logbuch, alle gesammelten Tankbelege und letztendlich die Annerkennungsurkunde der Iron Butt Association Germany in der nach Abzug von Tachoabweichungen 1.745 km offiziell anerkannt und bestätigt wurden.